2.1.2026

Sport als heiliger Gral beim Abnehmen?

Bewegung ist gesund, kein Zweifel. Ein umstrittenes Thema bei der Gewichtsreduktion ist jedoch, ob exzessives Training das Schlüsselelement für schnelles Abnehmen ist. Die Wissenschaft liefert interessante Erkenntnisse.

Bewegung gehört zu einer gesunden Lebensweise dazu, ganz klar. Um abzunehmen jedoch, braucht es kein exzessives Sportprogramm! Die richtige Ernährung spielt dabei die wesentlichere Rolle.

Fakt ist: Sport verbrennt Kalorien – und doch machen viele dieselbe Erfahrung. Trotz stundenlangem Joggen, kilometerlangen Spaziergängen mit dem Hund oder wöchentlichen Bauch-Bein-Po- und HIIT-Trainings tut sich auf der Waage kaum etwas. Sport steigert zwar den Energieverbrauch und verbessert zweifellos die Gesundheit – sein Einfluss auf das Körpergewicht wird jedoch massiv überschätzt.

Die Arten des Energieverbrauchs

Unser Körper verbraucht Energie auf drei wesentliche Arten:

1. Grundumsatz: Energie zur Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen im Ruhezustand (ca. 60–80 % des Tagesverbrauchs).
2. Verdauung: Energie zur Verarbeitung unserer Nahrung (ca. 10 %).
3. Bewegung & Sport: körperliche Aktivität (ca. 10–30 %).

Rein theoretisch müsste man also weniger Energie zuführen als man verbraucht – oder den Verbrauch durch Sport erhöhen. In der Realität ist das allerdings deutlich schwieriger, weil der Körper auf Sport reagiert.

Mehr Sport – mehr Appetit

Hier zeigt sich der entscheidende Punkt: Sport erhöht den Energieverbrauch – aber oft noch stärker den Appetit. Durch körperliche Anstrengung leeren sich die Kohlenhydratspeicher, besonders bei Untrainierten, sehr schnell. Der Körper reagiert darauf mit deutlichem Hungergefühl und fordert die verbrauchte Energie wieder ein.

Das führt dazu, dass viele Menschen nach dem Training automatisch mehr essen – oft ohne es bewusst zu merken. Selbst scheinbar „gesunde Snacks“ wie Obst, Joghurt oder Müsliriegel können genug Kalorien liefern, um die Sporteinheit komplett zu neutralisieren.

Der Kalorienverbrauch durch Sport ist also relativ gering – der kompensierende Hunger jedoch hoch.

Ergebnis: Trotz Training bleibt das Gewicht gleich.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine halbe Stunde Nordic Walking verbrennt im Schnitt etwa 100 Kalorien. Ein Smoothie danach liefert gerne 300 Kalorien oder mehr – die Sporteinheit ist damit nicht nur ausgeglichen, sondern sogar überkompensiert.

Dazu kommen zwei weitere Effekte:

1. „Belohnungs-Effekt“:
Nach intensiven Workouts gönnen sich viele Menschen eine „Belohnung“. Psychologisch verständlich – aber fürs Abnehmen kontraproduktiv.

2. „Ich hab’s schon erledigt“-Effekt:
Studien zeigen: Menschen bewegen sich nach Sporteinheiten oft weniger als sonst, weil sie glauben, ihr Tagespensum schon erledigt zu haben. Der Gesamtkalorienverbrauch sinkt so zusätzlich.

Die Folge: Sport verbrennt weniger Kalorien als gedacht – und führt gleichzeitig zu mehr Kalorienaufnahme.

Warum also Sport betreiben?

Sport ist wertvoll – aber nicht als Hauptwerkzeug zum Abnehmen.

Bewegung schützt uns vor Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stärkt das Herz, senkt das Krebsrisiko, verbessert die Ausdauer und sorgt für die Ausschüttung von Glückshormonen. Sport ist ein Gesundheitsbooster – aber kein Fettweg-Wunder.

Beim Abnehmen spielt daher Ernährung die deutlich größere Rolle.

Ist das Wunschgewicht einmal erreicht, hilft regelmäßige Bewegung enorm dabei, langfristig schlank zu bleiben – allein schon wegen des besseren Körpergefühls und der positiven Wirkung auf die Psyche.

Expertinnen-Statement

Rebecca Schullin, Geschäftsleitung easylife Österreich und Abnehmexpertin

„Die meisten Menschen überschätzen massiv, wie viele Kalorien sie beim Sport tatsächlich verbrennen – und unterschätzen gleichzeitig, wie schnell man diese Kalorien durch kleine Snacks wieder zuführt. Für nachhaltigen Gewichtsverlust ist die richtige, individuell angepasste Ernährung entscheidend. Sport ist eine wunderbare Ergänzung – aber die Ernährung bleibt das Fundament jedes Abnehmerfolgs.“

 

Quellen:

Quelle 1

Quelle 2

Quelle 3

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